Der kleine Nils  

- Nils Horn -


Als Nils zur Welt kam, regnete es. Seine Mutter meinte, er sähe aus wie eine Ratte. So war seine Mutter. Sehr realitätsbezogen. Keine falsche Sentimentalität. Immer klar die Wahrheit im Auge. Seine Mutter hätte natürlich auch denken können: "Ist er nicht süß." Nils war tatsächlich ein süßer kleiner Kerl. Das fiel ihr aber erst später auf. Im ersten Moment sah sie zunächst einmal die Dinge wie sie waren. Wir können also davon ausgehen, dass Nils bei seiner Geburt eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Ratte hatte.

Wenn ein großer Yogi geboren wird, erklingen normalerweise Glocken, Regenbogen erscheinen, Wunder geschehen und die Eltern haben verheißungsvolle Träume. Bei Nils geschah nichts dergleichen. Daraus können wir entnehmen, dass Nils möglicherweise kein großer Yogi war. Diese Interpretation ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Andererseits gab es da diese Geschichte mit der Ratte. Forschen wir hier einmal nach. Die Ratte oder auch die Maus ist im Yoga das Krafttier des Glücksgottes Ganesha. Ganesha besitzt die Fähigkeit auch unter schwierigen Umständen zu siegen. Er ist der Gott des Gelingens. Er ist der Meister der fünf Elemente. Je nach Situation siegt er mit Weisheit, Liebe, Egoopferung, Selbstdisziplin oder Freude.

Er kann sich ganz klein und unauffällig machen. Dafür steht die Maus (oder die Ratte) als Symbol. Er kann geschickt alle Hindernisse umgehen. Wie die Schlange, die er als Gürtel um den Bauch trägt. Oder er geht mit dem Kopf durch die Wand. Deshalb hat er einen Elefantenkopf. Seine Ziele läßt er nie los. Mit dem Seil, dass er in der linken Hand trägt, bindet er sich an seinen Zielen fest. Notfalls motiviert er sich mit Süßigkeiten. Die hat Ganesha in einer kleinen Schale ebenfalls immer dabei.

Jetzt wird uns auch klar, warum es bei der Geburt von Nils regnete. Der Regen deutet auf schwierige Lebensumstände hin. Ganesha braucht schwierige Umstände, um seine Fähigkeiten gut trainieren zu können.

Wenn wir die Ereignisse bei der Geburt von Nils genau betrachten, erkennen wir, dass hier eine Ganesha-Seele zur Welt kam. So eine Ganesha-Seele ist normalerweise ziemlich faul, verspielt und vernascht. Und tatsächlich hatte Nils diese Eigenschaften vom Beginn seines Lebens an. 

Das Tagebuch 
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Zum Glück für die Nachwelt hat seine Mutter über die ersten zehn Jahre seines Lebens genau Tagebuch geführt. Dieses Tagebuch liegt uns jetzt vor. Die wichtigsten Abschnitte daraus wollen wir zitieren: "Nun ist unser kleiner Sohn schon vier Wochen alt. Am 16. Mai 1952 um 14.25 Uhr krähte zum ersten Mal sein zartes Stimmchen. Ich war ja so froh über den kleinen Kerl. Was sein Vater wohl sagen würde? Wie groß sein Glück über seinen kleinen Sohn wohl sein mag?"

Hier müssen wir kurz einfügen, dass damals die Väter bei der Geburt nicht dabei waren. Sie konnten ihre Kinder erst einige Zeit später sehen. Das war natürlich ein sehr spannender Moment. Bei Nils kommt hinzu, dass sein Vater sich dringend einen Sohn wünschte. Er hatte schon drei Töchter aus einer früheren Beziehung. Aber fahren wir mit dem Bericht seiner Mutter fort:

"Alle bestaunten das süße Kerlchen. Denn das ist er bestimmt. Ich habe noch nie so ein wonniges Baby gesehen. Am niedlichsten ist sein Lachgesicht. Tausend Kosenamen rufe ich ihm zu. Ich erzähle ihm hundert liebe Dinge. Ich kann stundenlang mit ihm spielen und ihn betrachten. Sein Gesichtsausdruck ist so interessant und klug, als verstünde er manches und wollte alles ergründen."

Hier finden wir schon die ersten Formen der Verehrung. Das Rufen der tausend Kosenamen erinnert an die Technik der tausend Namen Gottes.

Einige Monate später heißt es in dem Tagebuch: "Unser Nils ist ein vergnügliches Kind. Wenn ihn jemand freundschaftlich anlacht, lacht er sofort wieder. Und so herzhaft klingt sein Lachen. Und neugierig ist unser Nils. Alles, was sich bewegt, ist für ihn interessant. Er will immer beschäftigt sein. Legt man ihn in sein Bettchen, wird er ärgerlich und knurrt."

"Sitzen ist jetzt sein Hauptvergnügen. Mit einer Hand hält er sich irgendwie fest, dann geht es eine Zeitlang bis das Köpfchen schwer wird. Und plumps, da liegt er." Später als Yogi hat Nils dann herausgefunden, dass man im Liegen doch besser meditieren kann. Er entwickelte die Technik Liegen, Lesen, Gehen und Gutes tun. Der optimale spirituelle Weg für faule Yogis. 

Auf dem Töpfchen 
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Aber hören wir weiter den Bericht seiner Mutter: "Spielen kann unser Kind stundenlang allein. Am besten ist es, wenn man sich gar nicht um ihn kümmert. Heute war Nils aber sehr ungezogen. Als er auf dem Töpfchen saß, klaubte er sich eine Handvoll heraus und wollte es gerade in den Mund stecken. Ich schrie: Igitti gitti gitt."

Die Mutter von Nils wusste nicht, dass für einen Yogi alles gleich ist. Die Identifikation mit einem Stück Scheiße kann ein großer Fortschritt auf dem spirituellen Weg sein. Der Weg zur Erleuchtung führt durch die Nichtswerdung. Wer sich in einem Stück Scheiße sieht, sieht sich als ein Nichts. Er sieht sich als unwichtig, als irgendwie bedeutungslos. Er löst sein Ego auf. Er macht sich ganz klein und kann durch die Tür der Nichtswerdung ins Paradies eintreten. Er läßt alle Anhaftungen los und befreit dadurch sein inneres Glück.

Als Nils fünfzig Jahre alt war, trat er einmal aus Versehen in ein Stück Hundescheiße. Spontan identifizierte er sich damit. Er wurde selbst zu einem Stück Scheiße, zu einem Nichts, und gelangte dadurch in einen Zustand des inneren Glücks. Kurz nachdem er sich vollständig als ein Stück Scheiße empfand, überrollten ihn Wogen des inneren Glücks. Er hatte sich selbst losgelassen und war so in die Welt des Glücks eingetreten. Das nennt man Erleuchtung durch ein Stück Scheiße.

Ein berühmter Zen-Meister beschrieb seinen Erleuchtungszustand einmal mit den Worten: "Scheiße am Stock". Da erschauderten alle seine Schüler vor Ehrfurcht. Dieser Witz wird immer noch gerne Zen-Schülern als Prüfungsfrage gestellt: "Was bist du?" Der Schüler denkt dann monatelang über die Frage nach: "Wer bin ich?" Wenn er erkennt, dass er nur Scheiße am Stock ist, wird er zum Priester ernannt.

Nichtswerdung und inneres Glück gehören zusammen. Erleuchtung und Leerheit bedingen einander. Wie sollte die Mutter von Nils das erkennen. Die Welt des Yoga ist eine geheimnisvolle Welt. Wie sollte seine Mutter begreifen, dass Gott auch in einem Stück Scheiße zu finden ist. Das würden auch heute noch viele Christen als Gotteslästerung empfinden. Sie verstehen nicht, dass man über seine einfachen Gottesvorstellungen hinaus wachsen muss, um zu einem Leben in Gott zu gelangen.

Aber kehren wir zum kleinen Nils zurück, der inzwischen ein Jahr alt geworden ist: "Jetzt macht er schon vier Schritte im Zimmer. Dann plumps. Und weiter voran auf allen Vieren. Bei ihm geht es nicht immer sachte zu. Ein blauer Fleck löst den anderen ab. Manchmal gibt es dann ein furchtbares Geschrei. Dann sucht er Trost bei Mutti."

"Neulich ist Nils in die Speisekammer gekrochen und hat mit beiden Händen die Butter bearbeitet. Aber man kann ihm nicht böse sein. Er muss eben alles kennenlernen."

"Bemerkenswert war die Bekanntschaft mit einem kleinen Mädchen. Nils sah sie, eilte auf sie zu, stellte sich vor sie hin und lächelte sie holdselig an." Kurz gesagt: Er kam, sah und siegte. Das kennen wir von Julius Cäsar. Schon der kleine Nils wußte genau, wie man am besten mit dem weiblichen Geschlecht umgeht. Erst anlächeln und dann vernaschen. Jetzt haben wir etwas verwechselt. Vernaschen tat Nils damals nur Süßigkeiten. Das dafür aber umso mehr.

"Nils liebt Schokolade sehr. Aber auch Marzipan findet er sehr gut. Weihnachten ist Nils in die Gute Stube geschlüpft, hat ein Marzipanbrot ausgewickelt und es von allen Seiten angebissen. Das war zu witzig. Ja, unser Nils weiß was gut schmeckt."

Der kleine Atheist 
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Nils wurde langsam größer: "Für sein Alter ist Nils geistig weit fortgeschritten. Oma meint, sie könne sich mit ihm unterhalten wie mit einem Erwachsenen. Er weiß über alles Bescheid."

"Vor kurzer Zeit ist sein Onkel Max gestorben. Seine Tante Liese war sehr traurig. Sie sagte, Onkel Max käme nun in den Himmel. Da erklärte Nils Onkel Max würde doch in der Erde begraben und nicht mit seinem Sarg zum Himmel transportiert werden."

An dieser kleinen Diskussion wird die atheistische Erziehung von Nils deutlich. Von einem Leben nach dem Tod und vom Aufstieg in das Paradies hatte Nils noch nie etwas gehört. Auch heute noch glauben viele Menschen, dass das Leben mit dem Tod zuende ist. Sie berufen sich dabei auf die Wissenschaft. Obwohl die Wissenschaft in den letzten fünfzig Jahren erheblich vorangeschritten ist. Die moderne Atomphysik hat eindeutig nachgewiesen, dass der ganze Kosmos in seiner Grundsubstanz aus Energie besteht und dass es höhere Energiedimensionen gibt. In der Spiritualität nennt man das Himmel.

Die Nahtodforschung belegt, dass der Mensch eine vom Körper unabhängige Seele besitzt. Wenn das Gehirn bei Operationen materiell ausgeschaltet ist, kann der Mensch trotzdem mit seiner Seele die Operation beobachten und später darüber Auskunft geben. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft gibt es ein Leben nach dem Tod. Das atheistische Weltbild muss durch die Lehre vom Paradies erweitert werden.

Es gibt das Flugzeug ins Paradies. Dieses Flugzeug hat zwei Flügel. Der eine Flügel ist die tägliche Verbindung mit den erleuchteten Meistern und der zweite Flügel sind die persönlichen Übungen (Lesen, Gehen, Yoga, Meditation). Wenn wir in unserem Leben ausreichend spirituell üben und uns dabei durch die erleuchteten Meister führen lassen, haben wir eine gute Chance, dass wir nach dem Tod ins Paradies aufsteigen. Das ist auch Atheisten möglich, da Gott über allen Begriffsvorstellungen steht. Wer in seinem Leben den Weg der Wahrheit, der Liebe und des Friedens geht, kann ins Paradiesbewusstsein gelangen. 

In der Schule 
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Im Alter von sieben Jahren kam Nils zur Schule. Die Lehrerin stellte fest, dass Nils sehr eigenwillig ist. Er musste drei Sätze aufschreiben und bei sich zuhause aufhängen: "Ich will nicht eigenwillig sein. Ich will tun, was meine Lehrerin sagt. Ich will immer im Unterricht aufpassen."

Viel genützt haben diese Sätze nicht. Auch einige Jahre später stand noch in seinem Zeugnis: "Die Haltung von Nils ist nicht immer einwandfrei. Er scheint den Sinn einer Schulordnung nicht zu erfassen."

Als er zehn Jahre alt war, schrieb er in sein Tagebuch: "Was ich von der Schule halte: Morgens muss ich immer so früh aufstehen. Ich würde gerne viel länger schlafen. Schularbeiten machen ist schrecklich. Ich kann dann nicht draußen spielen."

Nach dem vierten Schuljahr kam er auf das Gymnasium. Weil er aber so faul war, musste er nach der sechsten Klasse auf die Realschule abgehen. Dort verbrachte er vier Jahre. Dank eines guten Abschlußzeugnisses durfte Nils dann wieder auf das Gymnasium.

Als Nils sechzehn Jahre alt war, schrieb er über sich selbst: "Meine Stärken sind mein Verantwortungsbewusstsein, meine Wahrheitsliebe und meine Verlässlichkeit. Ich lebe mein Leben nach den Grundsätzen des Philosophen Emanuel Kant: 'Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen kann.' Als ich einmal bei einer langen Gebirgswanderung alleine in Eis und Schnee nicht mehr gehen konnte, habe ich an Emanuel Kant gedacht: 'Du kannst, denn du sollst!' So erreichte ich die rettende Berghütte."

Die Wanderschuhe  
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Den ersten zarten Kontakt zum weiblichen Geschlecht hatte Nils im Alter von zwölf Jahren. In seiner Klasse gab es ein Mädchen, das Wanderschuhe trug. In dieses Mädchen verliebte sich der kleine Nils. Er war aber noch sehr schüchtern. Er traute sich nicht das Mädchen anzusprechen. Stattdessen hängte er an der Garderobe seinen Mantel über ihren Mantel. Das tat er viele Tage lang mit Ausdauer. Und eines Tages hing ihr Mantel über seinem Mantel. Sie hatte ihren Mantel über seinen Mantel gehängt. Sie hatte seine Liebe angenommen und erwidert. Da war Nils sehr glücklich.

Als Nils fünfzehn Jahre alt war, verliebte sich ein Mädchen namens Ursula in ihn. Bis dahin hatte sich Nils nach seinem ersten Liebesabenteuer nicht weiter um Mädchen gekümmert. Aber mit fünfzehn wurde er auf eine Party eingeladen. Auf dieser Party tanzte er mit Ursula. Als die Musik langsam wurde, wurde eng getanzt. Ursula schmiegte sich an ihn. Da merkte Nils, dass es Männer und Frauen auf der Welt gibt. Noch wochenlang warfen sich die beiden Blicke auf dem Schulhof zu. 

Ein Teufel 
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Ein Jahr später hatten fast alle Jungen in seiner Klasse eine Freundin. Nur Nils nicht. Er wollte auch eine Freundin haben. Aber leider ging wieder alles schief.

Bärbel war ein schönes Mädchen und die Tochter eines reichen Beerdigungsunternehmers. Alle Jungen wollten mit Bärbel gehen. Auch Nils war an Bärbel sehr interessiert. Als Bärbel eine Party veranstaltete, wollte er sich an Bärbel heranmachen.

Es war Faschingszeit. Die Mutter von Nils kam auf die Idee ihn als Teufel mit einer roten Strumpfhose und einem schwarzen Schwanz zu verkleiden. Der schwarze Schwanz wurde hinten an die Strumpfhose angenäht. So machte er sich mit seinem Fahrrad auf den Weg zur Party.

Nils klingelte an der Haustür. Bärbel öffnete ihm. Hinter ihr standen die anderen Jungen aus seiner Klasse. Alle hatten vornehme Anzüge an. Sie sahen so erwachsen aus. Nils wurde klar, dass er sich wohl etwas unpassend angezogen hatte. Der Rat seiner Mutter war doch nicht so gut gewesen. Nils wäre am liebsten sofort in der Erde versunken.

Er hatte vollständig seiner Mutter vertraut. Wenn seine Mutter sagte, dass man sich verkleiden muss, dann verkleidete sich Nils. Woraus wir lernen können, dass es manchmal gut ist selbständig zu denken.

Bärbel reagierte völlig cool. Sie erfasste die Peinlichkeit der Situation sofort. Sie schlug Nils vor, nach Hause zu fahren und sich umzuziehen. Das tat er dann auch. Er kehrte in einem Anzug zur Party zurück. Auch er besaß ein derartiges Bekleidungsstück. Aber die Sache mit Bärbel war gelaufen. Sein dritter Versuch eine Freundin zu bekommen war gescheitert.

Bärbel freundete sich dann mit Klaus-Dieter an. Später heirateten sie. Klaus-Dieter wurde Beerdigungsunternehmer und sehr reich. Nils wurde Yogalehrer und blieb arm wie eine Kirchenmaus. Auf der Party von Bärbel stellte das Schicksal die Weichen. Unerbittlich zwang es Nils weise zu werden und nicht reich. Nils machte dann aus der Not eine Tugend und erklärte das innere Glück zum höchsten Ziel des Lebens. 

Die Glück- und Pech-Theorie 
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Im Alter von vierzehn Jahren stellte Nils die Glück und Pech-Theorie auf. Nach dieser Theorie hat ein Mensch in seinem Leben manchmal Glück und manchmal Pech. Das beobachtete Nils jedenfalls. Hatte er einmal viel Pech, erinnerte er sich von nun an daran, dass jetzt auch viel Glück folgen muss. Darauf freute er sich dann.

Nachdem Nils die Glück und Pech-Theorie aufgestellt hatte, interessierte ihn die Frage, wie man sich über das ewige Spiel von Glück und Pech erheben kann. Wie kann ein Mensch dauerhaft auf einem hohen Niveau glücklich sein? Die Antwort auf diese Frage ist die Lehre vom inneren Glück. Sein inneres Glück kann jeder Mensch unabhängig von äußeren Umständen durch bestimmte körperliche und psychische Techniken entwickeln.

Den Weg des inneren Glücks entdeckte Nils im Alter von dreißig Jahren. Da traf er auf den griechischen Philosophen Epikur. Hätte Nils Epikur schon früher kennengelernt, wäre ihm viel Verwirrung erspart geblieben. So ging er erst einmal den ganz normalen Weg des Lebens. Er spielte das Spiel der chaotischen Beziehungen. Er verliebte sich, war traurig und verliebte sich auf das Neue. 

Eltern  
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Die Mutter von Nils hieß Ella und war von Beruf Kindergärtnerin. Als Nils zur Welt kam, gab sie ihren Beruf auf. Sie widmete sich der Erziehung von Nils. Damit hatte sie genug zu tun. Sie war eine strenge Mutter und nahm alles sehr genau. Und Nils war ein ziemlich ungezogenes Kind. Er versuchte die Erziehungsmaßnahmen seiner Mutter zu unterlaufen, soweit er konnte.

Oft flüchtete er sich zu seinem Vater und suchte bei ihm Schutz. Nils schrieb in sein Tagebuch: "Mein Vater ist sehr nett. Ich finde nur schade, dass er fast nie zuhause ist. Meine Mutter ist auch nett. Doch manchmal kann sie sehr wütend werden."

Sein Vater hieß Friedrich Horn und arbeitete als Buchhalter in einer kleinen Firma. Nils sah ihn selten, weil er meistens arbeiten musste. Der Vater sang gerne, war gerne fröhlich und hatte ein großes Herz. Wenn er sang, sang er oft falsch. Aber das störte ihn nicht. Von ihm hat Nils gelernt, wie man falsch singt.

Nils sang gerne laut und falsch. Im Alter von neun Jahren trat er den Pfadfindern bei und blieb dort bis zum Alter von sechzehn Jahren. Dort kam es hauptsächlich darauf an laut zu singen.

Von seinem Vater hieß es in der Schule: "Einer singt hier falsch!" Und dann zeigten alle immer auf Friedrich Wilhelm Horn. Nils bekam im Musikunterricht in der Oberstufe eine gute Note als Belohnung dafür, dass er nicht mitsang.

Die Eltern von Nils hatten sich nach dem zweiten Weltkrieg kennengelernt. Sein Vater hatte in Rußland an der Krim gekämpft. Nach dem Zusammenbruch der Ostfront schlug er sich alleine und verwundet nach Deutschland durch.

Dort heiratete er erst eine andere Frau, mit der er drei Mädchen hatte. Aber er verstand sich nicht mit dieser Frau und beide trennten sich. Dann lernte er die Mutter von Nils kennen. Er heiratete ein zweites Mal und es entstand Nils.

Nils wuchs im Nachkriegsdeutschland auf. Alle Menschen dachten an den Wiederaufbau, das Reichwerden und den Genuß des Lebens. Es ging immer weiter aufwärts und alle waren sehr optimistisch. Dieser Optimismus hielt in Deutschland bis in die 80iger Jahre an. Dann stagnierte die Wirtschaft, das Privatfernsehen wurde eingeführt, die positiven Werte verfielen, der Egoismus und die Perspektivlosigkeit zogen in Deutschland ein.

Geschwister   
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Nils war weitgehend ein Einzelkind. Im Alter von zehn Jahren bekam er eine Schwester. Sie hieß Sabine und sah als Kind wie ein kleiner Buddha aus. Sie war voller Glück und Wonne. Wenn sie hinfiel, weinte sie nicht. Schmerzen machten ihr nichts aus. Das wunderte ihren Bruder Nils sehr. Er schrie als Kind immer sehr laut, wenn ihm etwas weh tat.

"Meine Schwester Sabine lacht alle Menschen an. Wenn ich aus der Schule komme, steht sie im Laufgitter und freut sich. Sie hat einen guten Appetit. Sie ißt alles, was sie kriegen kann. Neulich hat sie sogar schon meine Schildkröte in den Mund gesteckt."

Sabine war eine spirituell weit entwickelte Seele. Aber in der Schule hatte sie große Probleme. Sie litt sehr unter dem Leistungsdruck. Sie beendete deshalb die Schule frühzeitig und machte eine Lehre im ökologischen Landbau. Sie heiratete, baute mit ihrem Mann einen Biohof auf und bekam zwei Kinder. Später trennte sie sich von ihrem Mann und lebt jetzt als Ziegenhirtin.

Sabine ist eine Anhängerin von Sai Baba. Sie erhielt von Mutter Meera einen Darshan. Sie macht jeden Tag ihre spirituellen Übungen und ist stolz darauf, dass ihr Bruder ein Yogi ist. Manchmal schickt sie ihm Ziegenkäse, den er dann in seinen Gruppen als heiliges Essen (Prasad) verschenkt.

Zu seinen drei anderen Schwestern aus der ersten Ehe seines Vater hat Nils wenig Kontakt. Viele Jahre lang sahen sie sich überhaupt nicht. Aber jetzt haben Gesa und Inge ihren Bruder gerade in seiner Yogi-Hütte besucht. Sie redeten über ihren Vater, über die Spiritualität und auch etwas über sich. Sie verstanden sich sehr gut.

Die drei Stiefschwestern von Nils heißen Inge, Gesa und Ursel. Inge ist die Älteste und hat viele Jahre als Deutschlehrerin am Goethe-Institut gearbeitet. Das Goethe-Institut bemüht sich weltweit um die Verbreitung der deutschen Kultur und um die Unterstützung der Menschen in den armen Ländern der Welt. Inge hat in ihrem Leben als Deutschlehrerin viele Länder kennengelernt. Sie war lange in Afrika und ist spirituell sehr interessiert. Nils kann sich immer gut mit ihr unterhalten.

Die zweite Stiefschwester heißt Gesa und ist ein fröhlicher Mensch. Sie war Lehrerin in einer Dorfschule in Niedersachsen. Sie liebt die Geselligkeit und wandert gerne. In ihrem Haus finden oft große Feiern statt. Im Gegensatz zu Nils ist sie sehr musikalisch. Sie singt viel und gerne.

Die jüngste Stiefschwester ist Ursel. Als sie älter wurde, zog sie nach Berlin. Sie wurde eine Anhängerin von Wilhelm Reich und seiner psychoanalytischen Sexualtheorie. Danach ist Sex das Wichtigste im Leben eins Menschen. Wer viel Sex hat, wird ein glücklicher Mensch.

Im Yoga heißt es dagegen, wer Sex nicht im richtigen Maß lebt, verbraucht schnell seine Lebensenergie. Das kann man deutlich bei vielen Menschen in der westlichen Tantra-Szene beobachten. Nach einigen Jahrzehnten mit viel Sex sind sie innerlich ausgebrannt.

Ursel gehörte zur Berliner Tantra-Szene. Sie experimentierte mit der freien Liebe. Sie hatte in ihrem Leben viel Sex. Aber sie bekam viel zu wenig Liebe. Echte Liebe kann sich in offenen Beziehungen nicht entwickeln. Bei Sex ohne Treue wird das Herzchakra ständig verletzt. Es verschließt sich deshalb zu seinem Schutz immer mehr.

Auf dem Weg des Tantra-Yoga ohne Treue verspannt man sich im Laufe seines Lebens immer mehr. Man wird innerlich unglücklich und bekommt psychosomatische Krankheiten. Ursel starb im Alter von fünfzig Jahren an Krebs. Darüber war Nils sehr traurig. Er hatte Ursel trotz ihrer spirituellen Irrtümer sehr gerne gemocht. 

Großeltern  
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Neben seinen Geschwistern und seinen Eltern gab es für Nils auch noch die Großeltern mütterlicherseits. Nils war in seiner Kindheit oft bei seinen Großeltern. Er bewunderte seinen Großvater, weil dieser eine große innere Kraft besaß.

Sein Großvater wuchs in einer Tischlermeister-Familie auf. Nach der Schule wurde er Soldat und diente in der kaiserlicher Garde (einer Eliteeinheit). Er war in Berlin stationiert und hatte dort viele Liebesabenteuer. Einiges davon hat er Nils später erzählt.

Im ersten Weltkrieg zog er mit seiner Kompanie nach Rußland. Nachdem die deutschen Soldaten das russische Heer in der Schlacht von Tannenberg besiegt hatten, trat als neuer Gegner Frankreich auf den Plan. An den Franzosen scheiterte der deutsche Imperialismus. In Frankreich wurde der Großvater durch eine Granate schwer verwundet. Danach konnte er sein Leben lang nur noch mühsam humpeln. Auf diese Weise trug er das schlechte Karma aus dem Krieg ab.

Nach dem Krieg heiratete er die Großmutter von Nils. Sie hatte im Ersten Weltkrieg ihren Mann verloren und war auf der Suche nach einem neuen Partner. Die Großmutter hatte viel Liebe. Von ihr fühlte sich Nils vollständig und bedingungslos geliebt. Das war für ihn eine wichtige Erfahrung, weil seine Mutter meistens sehr streng zu ihm war. Von seiner Mutter lernte Nils die Wahrhaftigkeit und von seiner Großmutter den Weg der bedingungslosen Liebe. Und von seinem Großvater erhielt er seine Kraft und Zähigkeit.

Sein Großvater wurde Kommunist und trat in die KPD ein. 1923 nahm er unter der Führung von Ernst Thälmann am Hamburger Aufstand teil. Die Kommunisten wollten damals aus Deutschland eine Räterepublik machen. Die Hamburger Kommunisten waren besonders militant. Sie stürmten die Polizeiwachen und versorgten sich so mit Waffen. Es gelang dem Staat aber den Aufstand niederzuschlagen und viele Aufständische zu verhaften.

Einer davon war der Großvater von Nils. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das war ein sehr mildes Urteil, weil bei dem Aufstand über 100 Menschen getötet wurden. Vielleicht trug dazu bei, dass der Großvater als Gardesoldat und Teilnehmer an der siegreichen Schlacht von Tannenberg von den Richtern verehrt wurde. Er bekam eine Sonderbehandlung und durfte im Gefängnis ständig von seiner Frau besucht werden.

Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, kehrte das Glück bei ihm ein. Die Großmutter erbte etwas Geld. Davon kauften sie sich ein Grundstück am Stadtrand von Hamburg und bauten ein kleines Haus. Dort wohnten sie dann mit der 1924 geborenen Mutter von Nils als kleine Familie. Das Haus erbte später Nils und lebt dort jetzt als Yogi.

Während des Nationalsozialismus war der Großvater im Widerstand aktiv. Wieder hatte er großes Glück. Seine ganze Widerstandsgruppe wurde bei einem Treffen verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht. Der Großvater wurde von einer Nachbarin gewarnt und nahm deshalb nicht an dem Treffen teil. Er erzählte Nils viele kreative Aktionen, mit denen sie die Nazis ausgetrickst haben. So hatten sie im Herbst Tulpen an einer Bahnstrecke gepflanzt, die dann im Frühjahr aufblühten. Alle Reisenden konnten deutlich am Bahndamm lesen: "Nazis weg!"

Drei Visionen 
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Wer eine große Vision hat, hat Kraft für ein positives Leben. Alles positive Denken beginnt mit einer Vision. Der Mensch braucht Ideale, positive Ideen und inspirierende Ziele. Er braucht Hoffnung, Optimismus und eine Aufgabe.

Nils hat drei Visionen. Er hat die Vision einer glücklichen Welt, die Vision der spirituellen Selbstverwirklichung und die Vision des Paradieses nach dem Tod.

Die Vision einer glücklichen Welt ist sehr wichtig. Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Die Menschheit kann entweder gemeinsam untergehen oder gemeinsam eine Welt der Liebe, des Friedens und des Glücks aufbauen. Damit eine glückliche Welt entsteht, bedarf es einer großen Anstrengung. Wir müssen den globalen Egoismus, das rein materielle Denken und die Trägheit bei uns selbst überwinden. Wir brauchen global positive Werte wie Liebe, Frieden und Toleranz. Jeder sollte in seinem Bereich und im Rahmen seiner Möglichkeiten am Aufbau einer glücklichen Welt mitarbeiten.

Nils sieht seine Aufgabe darin, an einer positiven und wissenschaftlichen Spiritualität mitzuwirken. Er möchte im Bereich des Hatha-Yoga den Weg der umfassenden Liebe, des positiven Denkens und des effektiven Übens verbreiten. Jeder Mensch soll die Chance haben ein Leben des inneren und des äußeren Glücks zu führen.

Im Februar 2003 führten ihn seine Meister in einem Traum auf einen spirituellen Kongress. Es ging um das Ziel einer glücklichen Welt und um die Zusammenarbeit aller Religionen. Auf dem Podium saßen ein Weißer, ein Schwarzer, ein Indianerhäuptling, ein indischer Yogi, ein japanischer Zen-Meister und ein christlicher Heiliger.

Der Saal war voll. Viele Menschen hatten Interesse an dieser Veranstaltung. Nils ging mit seinem Sohn zu dem Kongress. Sein Sohn nahm im Saal Platz und Nils setzte sich mit auf das Podium. Auch seine Lehre der Verbindung von Glücksforschung, umfassender Liebe und Spiritualität ist wichtig für den Aufbau einer glücklichen Welt.

Der Traum symbolisiert die Einheit aller Religionen und aller Menschen. Alle Menschen sollten für das Ziel einer glücklichen Welt positiv zusammenarbeiten. Alle Religionen, Wissenschaftler und Politiker sollten sich zusammentun und gemeinsam eine globale Bewegung der Liebe, des Friedens und der Spiritualität gründen.

Die zweite Vision von Nils ist die spirituelle Selbstverwirklichung. Er möchte in seinem Leben die Eigenschaften inneres Glück, innerer Frieden, innere Kraft und umfassende Liebe verwirklichen. Er möchte so leben, dass er am Ende seines Lebens mit sich zufrieden ist. Er möchte das Gefühl haben, dass er getan hat, was zu tun war und was er tun konnte.

Seine vier Hauptvorbilder sind Shiva mit dem Dreizack (Kraft, Hatha-Yoga), Vishnu/Lakshmi mit der segnenden Hand (Liebe, Gutes tun), Ganesha mit den Süßigkeiten (ein Buddha der Freude) und Brahma mit dem Buch (Weisheit). Mit dem Weg des Yogas des Vierheit aus Hatha-Yoga (Körperübungen), Karma-Yoga (umfassende Liebe), Bhoga-Yoga (Freude) und Meister-Yoga (tägliches Lesen) kann jeder Mensch in seinem Leben spirituell siegen.

Im zweiten von seinen Meistern geführten Traum sah Nils sich mit seinen Leuten in seiner Yogihütte an einem großen Tisch sitzen. Auf dem Tisch standen viele verschiedene Gerichte. Jeder konnte sich das nehmen, was ihm persönlich schmeckte. Jeder darf bei Nils seinen persönlichen spirituellen Weg gehen.

Seine Leute redeten und lachten viel. Nils selbst saß eher unbeteiligt am Tisch. Er lebte in der Ruhe, in Gott und im großen Nichtstun. Er strahlte einfach nur Licht und Liebe in die Welt. Er handelte äußerlich dann, wenn es notwendig war.

In einem dritten Traum wanderte Nils mit seinen Leuten über einen Berg in ein blühendes Tal. Der Berg symbolisiert die Erleuchtung und das blühende Tal ist das Paradies. Der Weg über den Berg war steinig und schmal. Er war kaum zu sehen. Nur Nils konnte ihn dank seiner klaren inneren Stimme finden. Seine Leute vertrauten und folgten ihm nach. So gelangten sie alle ins Paradies. Im Paradies hatte jeder seine eigene Hütte. Jeder konnte dort auf seine eigene Art leben und spirituell üben.

Was ist das Geheimnis des spirituellen Erfolges? Ein klarer Entschluss, der Weg der umfassenden Liebe und das Paradies-Mantra beim Tod. Mit einem Mantra kann jeder nach seinem Tod in eine Lichtdimension gelangen. Er wird sich an sein Mantra im richtigen Moment erinnern, wenn er in seinem Leben jeden Tag spirituell praktiziert hat.


Glücksspiele

    

Wir sind Lichtwesen. Wir sind Kinder Lichts. Der Kosmos ist unsere große Mutter und unser großer Vater. Wir spielen in der großen Mutter/im großen Vater Glücksspiele und vermehren damit ewig das Glück aller Wesen.

Das Problem der meisten unserer Mitwesen besteht darin, dass sie nicht zwischen guten und schlechten Spielen unterscheiden können. Schlechte Spiele machen langfristig und oft sogar bereits kurzfristig alle Beteiligten unglücklich. Schlechte Spiele sind alle Spiele, bei denen die weltlichen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

Wenn wir uns in den äußeren Dingen verankern, haften wir langfristig immer mehr an. Wir verspannen uns innerlich, unser inneres Glück nimmt ab und es zieht alle Beteiligten nach unten. Wir dürfen die äußeren Dinge leben. Wir dürfen Beziehungen haben. Wir dürfen Beziehungsspiele spielen. Wir dürfen uns die äußere Welt schön machen.

Aber wir müssen uns im Schwerpunkt in der Spiritualität verankern. Wir müssen die Spiritualität in den Mittelpunkt unseres Lebens stellen. Wir müssen im Schwerpunkt unsere Lebensspiele aus der Spiritualität heraus spielen. Wir müssen auf der Basis von Weisheit, Liebe und Frieden spielen. Nur solche Spiele nützen uns.

Das ist schwer zu begreifen. Es gibt viele kleine Teufel auf der Welt, die negative Spiele spielen. Kleine Teufel sind immer arme Teufel. Ihnen fehlt es an Weisheit und sie schaden letztlich vorwiegend sich selbst. Wir brauchen viele Engel auf der Welt, die den kleinen Teufeln das richtige Spielen beibringen. Wenn die Engel sich in der Weisheit, in ihren spirituellen Übungen und im Weg der umfassenden Liebe zentrieren, dann siegen sie und es werden gute Spiele für alle Beteiligten.

Damit die Spiele auf der Erde spannend bleiben, gibt es natürlich immer wieder einige Schwierigkeiten. Nichts ist langweiliger als ein Leben ohne Probleme. Probleme sind der Hauptmotor des inneren Wachstums. Ohne Probleme würden sich die meisten Menschen nicht innerlich entwickeln. Sie würden nie das dauerhafte und tiefe innere Glück erreichen. Wir müssen nur aufpassen, dass die Probleme nicht zu groß werden. Sie dürfen uns nicht über den Kopf wachsen. Sie dürfen das Licht in uns nicht zum Verschwinden bringen.

Das gelingt uns durch die tägliche Besinnung auf die Spiritualität. Wenn wir jeden Tag unsere Spiritualität pflegen und unser Inneres positiv ausrichten, dann ordnen sich auch äußerlich im Laufe der Zeit alle Probleme.

Wer nach den Prinzipien der umfassenden Liebe und des inneren Glücks lebt, der meistert letztlich alle Schwierigkeiten. Er kann sogar im Chaos glücklich sein und sich im Gleichgewicht halten. Er lebt dauerhaft im inneren Glück und stärkt aus seiner inneren Positivität heraus das Positive in der ganzen Welt.

Wir werden zum Meister des Lebens. Wir meistern das äußere Leben und gleichzeitig auch das innere Leben. Das ist höchste Lebenskunst. Das ist der Hauptweg im Kosmos, um im Leben und in der Spiritualität zu siegen. Wir leben ewig als Karma-Yogis (der Weg der umfassenden Liebe) und als Hatha-Yogis (tägliche Körper- und Geistesübungen) für das Glück aller Wesen. Wir handeln aus unserem inneren Glück (dem Sein, der Ruhe) positiv für das Glück aller Wesen und für das Ziel eines glücklichen Kosmos insgesamt.

Das ist der Weg, auf den uns die großen erleuchteten Meister verweisen. Die Erleuchtung ist nicht das Ende des Handelns. Auch der Tod ist nicht das Ende des Handelns. Wir handeln ewig weiter. Wir sind ewige Seelen. Wir können ewig Glücksspiele spielen. Wir verändern nur beständig unsere äußeren Formen. Wir passen uns den wechselnden Situationen an und finden in jeder Situation den optimalen Weg des Wachstums im Glück für uns und für alle Mitwesen.

Ich lehre die Selbstverantwortung jedes Menschen. Das ist das Hauptprinzip im Hatha-Yoga. Jeder Mensch ist primär für sich selbst verantwortlich. Jeder Mensch muss sich selbst retten. Jeder Mensch muss sein inneres Glück selbst entwickeln. Jeder muss selbst sein Selbst verwirklichen. Jeder muss selbst sterben und danach in Licht gelangen.

Wichtige Helfer sind die erleuchteten Meister. Ihr Wissen hilft uns den richtigen Weg zu finden. Ihre Liebe und ihre Kraft ermöglichen uns auf dem Weg zu bleiben. Siegen müssen wir selbst. Aber es ist gut, wenn wir auf dem Weg dahin Freunde haben.

Ich halte es für sehr wichtig, dass wir uns jeden Tag geistig mit einem oder mit allen erleuchteten Meistern verbinden. Wir sollten erkennen wie klein wir sind und wie dringend wir spirituelle Unterstützung brauchen. Wir haben wenig Weisheit und wenig Ausdauer auf unserem spirituellen Weg. Wir drohen jeden Tag zu scheitern, wenn wir nicht immer eine kleine oder große Unterstützung bekommen.

Wer einen erleuchteten Meister besitzt und sich jeden Tag mit ihm geistig verbindet, kann voller Vertrauen durch das Leben gehen. Er wird gerettet werden. Er wird jede Hilfe kriegen, die er braucht. Vielleicht erscheint es manchmal so, als ob man untergeht. Aber davon sollten wir uns nicht erschrecken lassen. Der Meister ist immer anwesend. Von seinem Turiya-Bewusstsein aus sieht er aus der höheren Dimension alles was geschieht. Er kann mit seinen Energien jederzeit eingreifen. Er weiß, wann ein Eingreifen notwendig ist und wann sich die Prozesse von alleine richtig entfalten.

Wer mit einem erleuchteten Meister durch das Leben geht, ist immer geschützt. Mit der Hilfe eines erleuchteten Meisters kann jeder Mensch das spirituelle Ziel erreichen. Jeder kann zur Erleuchtung gelangen. Jeder kann innerlich heil und aus sich selbst heraus glücklich werden. Jeder kann im Licht, in Gott, im Sat-Chid-Ananda (Sein-Einheitsbewusstsein-Glück) leben.

Der Kosmos ist ein Belohnungssystem. Er ist ein System von Ursache und Wirkung. Wer die richtigen Ursachen setzt, erntet auch die richtigen Wirkungen. Wer in seinem Leben viel Gutes getan hat, der wird viel Gutes ernten. Wer ein spirituelles Leben lebt, wächst in seinem inneren Glück.

Mögen wir alle weise leben. Mögen wir alle unsere Lebenszeit gut nutzen. Mögen wir alle die Selbstverwirklichung erreichen, Buddhas und Mahatmas werden, und dauerhaft im Licht und in der umfassenden Liebe leben.